FOLGE 1
Viva Vicuna! Lamas der Luxusklasse
Es gibt auf der Welt keine feinere Wolle - und keine wertvollere, daher ist das edle Fell der Vikunjas schon immer heiß begehrt. Nun werden die Tiere nicht mehr geschossen, sondern wieder nach traditioneller Art der Inka geschoren. So soll das teure Haar, einst Grund für ihren Untergang, jetzt für die Wiederauferstehung der Anden-Kamele sorgen. Die Hochanden in Chile sind ein ungastlicher, bitterkalter Ort. Wer hier leben will, muss sich warm anziehen. Die südamerikanischen "Bergkamele" - Lamas, Alpakas, Guanakos und Vikunjas - sind deshalb mit besonders dichten Fellen gesegnet. Das Vikunja steigt sogar regelmäßig in Höhen über 5000 Meter auf und ist dementsprechend besonders gut gegen Kälte geschützt. Vikunja-Wolle ist feiner als jede andere der Welt, selbst Kaschmir-Wolle erscheint dagegen rau. Diese perfekte Schutzhülle, die ihnen das Überleben in den Extremregionen ermöglicht, wurde Vikunjas aber fast zum Verhängnis. Im Inkareich waren die edlen Vikunja-Stoffe nur den Herrschern vorbehalten. Die kostbaren Mäntel waren Insignien der Macht und wurden als besondere Auszeichnung an loyale Fürsten weitergegeben. Vikunjas galten als heilig und standen bald unter strengem Schutz. Die Wolle gewann man von Tieren, die nach langen Treibjagden in Gattern geschoren wurden, so dass die Bestände nach der anfänglich primitiven Jagd lange Zeit geschont blieben. Erst die Eroberung Südamerikas durch die Spanier und die Verbreitung von Schusswaffen brachte die Art an den Rand der Existenz. Von geschätzten zwei Millionen sank die Zahl auf 10000 in den sechziger Jahren.